Lastmanagement für Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher: So schützen Sie Ihren Netzanschluss vor teuren Lastspitzen

Warum jede neue Ladesäule Ihre Stromrechnung für ein ganzes Jahr erhöht

Liebe Leserinnen und Leser,

angenommen, in Ihrem Betrieb gehen nächsten Monat zehn neue Ladepunkte in Betrieb. Wissen Sie, was in der ersten Viertelstunde danach an Ihrem Netzanschluss passiert?

Die Frage klingt nach Detailarbeit für die Elektrofachkraft. Ihre Antwort entscheidet aber darüber, was Sie in diesem und darauffolgenden Abrechnungsjahr an Netzentgelten zahlen. Netzbetreiber rechnen nämlich nicht ab, wie gleichmäßig ein Betrieb Strom bezieht, sondern den höchsten gemessenen Viertelstundenwert – eine Lastspitze. Ein einziger ungünstiger Moment, in dem viele Autos mit ihrer Höchstlast gleichzeitig laden, genügt, und dieser Wert steht.

Die Leistung von Speicher und Ladepunkte wächst schneller als die der Netzanschlüsse

Wie stark sich das Lastprofil deutscher Betriebe gerade verschiebt, zeigen zwei Zahlen. Im ersten Quartal 2026 gingen bundesweit rund 2,2 Gigawattstunden neue Batteriespeicherkapazität ans Netz, etwa 38 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Zusätzlich führte die Bundesnetzagentur gut 209.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte mit zusammen 9,04 Gigawatt Ladeleistung (Stand: 1. Juli 2026). Was auf Firmenparkplätzen und in Logistikhallen steht, taucht darin nicht einmal auf.

Dahinter stecken selten Großprojekte. Meistens summieren sich einzelne, gut begründete Entscheidungen: Der Fuhrpark stellt auf Elektroantrieb um, die neue Photovoltaikanlage liefert mittags mehr als der Betrieb verbraucht, hinzu kommt ein Speicher und vielleicht wurden sogar Flurförderfahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterien beschafft. Jeder Schritt für sich rechnet sich. Gemeinsam verändern sie den Lastgang eines Unternehmens grundlegend, also die zeitliche Abfolge der bezogenen Leistung über den Tag.

Was ein Energieoptimierungssystem leistet und warum sich das rechnet

Ein Energieoptimierungssystem beobachtet den Leistungsbezug fortlaufend, berechnet den Trend innerhalb der laufenden Messperiode und greift ein, bevor die vereinbarte Leistungsgrenze fällt. Der Hintergrund: Gewerbe- und Industriekunden zahlen neben dem Arbeitspreis je Kilowattstunde einen Leistungspreis, der sich an der höchsten Viertelstundenleistung des Abrechnungszeitraums bemisst. Marktüblich sind Sätze um 100 Euro je Kilowatt und Jahr. Rechnen Sie das für Ihren Betrieb durch: Wenn zehn Ladepunkte mit je 22 Kilowatt zeitgleich anlaufen und davon – nur anteilig – 150 Kilowatt auf die kritische Viertelstunde durchschlagen, kostet dieser Moment rund 15.000 Euro. Nicht einmalig, sondern so lange, bis wieder ein neues Jahr beginnt. Wie stark schon eine moderate Glättung wirkt, haben wir an einem Rechenbeispiel gezeigt.  

intelligentes Energieoptimierungssystem kürzt Lastspitzen
Ein modernes Energiemanagementsystem erkennt Lastspitzen bereits im Entstehen. Durch intelligentes Management kann es einen Energiebezug aus dem Stromnetz verringern – ganz ohne Stillstände.

Wo Lastspitzen im Betriebsalltag richtig teuer werden

Ein Speditionsbetrieb elektrifiziert seine Verteilerflotte. Gegen 17 Uhr kommen acht Transporter zurück, die Fahrerinnen und Fahrer schließen sie an die Ladestationen an, und weil niemand eine Steuerung hinterlegt hat, ziehen alle acht sofort volle Leistung. Gleichzeitig läuft die Kälteanlage im Lager auf Hochtouren, weil die Tore den Nachmittag über offenstanden, während neue Ware eingelagert wurde. Die Jahresspitze entsteht an einem Dienstag im Juli, ohne dass sie jemand bemerkt.

Ähnlich der Metallverarbeiter mit zwölf Lithium-Ionen-Staplern. Die Technologie arbeitet rund 30 Prozent effizienter als Bleisäurebatterien und erlaubt kurzes Zwischenladen in den Pausen. Genau darin liegt der Haken: Die Flotte lädt künftig zur Schichtübergabe, also ausgerechnet dann, wenn ohnehin Anlagen wieder anfahren. Aus einer nächtlichen Grundlast wird eine mittägliche Spitze.  

Besonders ärgerlich ist der dritte Fall. Ein Betrieb investiert in einen Batteriespeicher, betreibt ihn aber isoliert zur Eigenverbrauchsoptimierung. Er lädt, wenn die Sonne scheint, und entlädt, wenn sie es nicht tut. Von der teuren Lastspitze am Dienstagnachmittag weiß er nichts und kann hier nicht entgegenwirken. Das Kapital ist gebunden, der Leistungspreis bleibt, wo er war.

Was sich ändert, sobald Speicher und Ladepunkte mitspielen

Kennt das Energieoptimierungssystem Ladeinfrastruktur und Speicher, verschieben sich die Möglichkeiten deutlich. Ladevorgänge lassen sich stufenlos drosseln, statt sie hart abzuschalten: Jedes Fahrzeug lädt weiter, nur eben langsamer. Prioritätenlisten sorgen dafür, dass der Stapler für die Frühschicht Vorrang bekommt und der Dienstwagen, der bis Freitag steht, langsamer lädt. Der Speicher liefert in der kritischen Viertelstunde Leistung aus der Batterie und senkt den Netzbezug, ohne dass ein Prozess anhält. Fachleute sprechen von Peak Shaving, also vom Kappen der Lastspitze; wie unterschiedlich die Ansatzpunkte je nach Branche ausfallen, zeigen unsere Praxisbeispiele.

Der zweite Effekt betrifft die Infrastruktur. Reicht der Netzanschluss für die geplante Ladeleistung rechnerisch nicht aus, verlangt der Netzbetreiber einen Ausbau samt Baukostenzuschuss, und solche Beträge erreichen schnell fünf- bis sechsstellige Summen. Ein gesteuerter Betrieb, in dem nie alle Verbraucher gleichzeitig volle Leistung ziehen, macht diesen Ausbau oft entbehrlich. Der Speicher wird damit vom Kostenblock zu einem Werkzeug, das Investitionen in Kupfer und Trafostation ersetzt.

Ein dritter Punkt wird gern übersehen: Auch Erzeugeranlagen gehören ins System. Weiß die Steuerung, wie viel Leistung die Photovoltaikanlage in dieser Viertelstunde gerade liefert, kann sie Ladevorgänge gezielt in die Mittagsstunden ziehen und den Eigenverbrauch erhöhen, statt Solarstrom für wenige Cent einzuspeisen und abends teuer zurückzukaufen. Hinzu kommen regulatorische Hebel, die viele liegen lassen: Wer seinen Bezug in den veröffentlichten Hochlastzeitfenstern nachweislich zurückfährt, kann ein reduziertes Netzentgelt für atypische Netznutzung vereinbaren; wer besonders gleichmäßig bezieht, kommt für ein individuelles Netzentgelt in Frage. Beides setzt voraus, dass Sie Ihre Leistungsabnahme steuern können. Als Nachweis dient dann einfach der Lastverlauf, den der Energieversorger auf Einhaltung kontrolliert.

Ein Energieoptimierungssystem bindet auch Fluförderfahrzeuge ein und verhindert so Lastspitzen.
Auch Flurförderfahrzeuge lassen sich in ein intelligentes Lastmanagementsystem einbinden.

Warum sich das Zeitfenster gerade schließt

Zwei Entwicklungen erhöhen den Handlungsdruck. Neue Stromspeicher, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen, bleiben nach § 118 Absatz 6 EnWG für 20 Jahre von den Netzentgelten auf den eingespeicherten Strom befreit; für spätere Anlagen entfällt diese Privilegierung. Ein Speicher, der geladenen Strom später unverändert ins Netz zurückspeist, ist von diesen Netzentgelten befreit, weil derselbe Strom sonst zweimal belastet würde. Betriebliche Speicher arbeiten allerdings selten so eindeutig. Sie decken mal den eigenen Verbrauch in der Produktion, mal speisen sie zurück. Wie diese gemischte Nutzung rechtlich zu behandeln ist, klärt das Gesetz nicht abschließend, und Fachleute bewerten die Frage bis heute unterschiedlich.

Wie die Regelung bei hybrider Nutzung zu bewerten ist, wenn also ein Teil des Stroms vor Ort verbraucht statt zurückgespeist wird, ist juristisch bis heute umstritten.

Parallel arbeitet die Bundesnetzagentur im Projekt AgNES an einer Systematik, die ab 2029 auch die Netzentgelte zeitlich dynamisiert. Wer dann flexibel bezieht, zahlt weniger; wer starr in Spitzenzeiten verbraucht, zahlt doppelt. Was das für die Beschaffung bedeutet, haben wir im Beitrag zu dynamischen Strompreisen beschrieben. Anlagen, die heute ohne Steuerungsschnittstelle beschafft werden, lassen sich später nur mit erheblichem Aufwand nachrüsten. Zuschüsse für Messtechnik und intelligente Lastregelung gibt es über das BAFA-Fördermodul 3, der Antrag muss vor Maßnahmenbeginn vorliegen.

multimax 6.0: Aus der Sonderlösung wird eine Einstellung

Das Energieoptimierungssystem multimax steuert Verbraucher seit Jahrzehnten über analoge Ausgänge, regelt also stufenlos, statt nur zu- und abzuschalten. Ladesäulen banden wir bislang über das Gateway multisio-IGW per Modbus ein, ein etabliertes Protokoll, über das Geräte verschiedener Hersteller Messwerte und Steuerbefehle austauschen. Batteriespeicher wurden bei multimax bisher über kundenspezifische Sonderlösungen eingebunden.

Mit der kommenden Gerätegeneration gehört nun auch die Anbindung von Batteriespeichern zum Standard. Kern der Neuerung ist die neueste Generation des IGW 3, ein intelligentes Gateway, das mehrere bisher getrennte Aufgaben übernimmt: Es visualisiert den multimax im Webinterface, steuert Batteriespeicher, Ladesäulen und weitere Anlagen über Modbus an und bringt einen VPN-Tunnel für den geschützten Servicezugriff mit. Als Basis läuft mit multiOS ein eigenes KBR-Linux, dessen Vorteil besonders langfristig deutlich wird: Über die Softwarepflege und Weiterentwicklung entscheidet KBR selbst und nicht ein externer Anbieter. Das System läuft dadurch stabiler und planbarer.

Im Betrieb bedeutet das für Sie vor allem weniger Aufwand. Zusätzliche Funktionen lassen sich über die multiapp-MT schnell nachrüsten, ohne dass ein Gerät Ihr Haus verlässt. Die erweiterte Benutzerverwaltung erlaubt individuelle Konten mit abgestuften Rechten, sodass die Parametrierung dort bleibt, wo sie hingehört. Updates spielen Sie per Knopfdruck oder offline über einen USB-Stick ein, wobei ein Sicherheitsmechanismus verhindert, dass ein fehlgeschlagenes Update das Gerät unbrauchbar macht. Die Bedienungsanleitung rufen Sie über einen Weblink stets in der aktuellen Fassung ab. Für Sie heißt das im Kern: Nachrüstungen und Anpassungen an neue Anlagen erledigen Sie künftig vor Ort, ohne Rückversand und ohne wochenlange Lücke in der Optimierung. Entwickelt und gefertigt wird weiterhin in Schwabach; wie sich das Ganze in ein Energiedatenmanagement einfügt, zeigt das Zusammenspiel mit visual energy und unseren Referenzprojekten.

Lastspitzen effektiv verhindern dank der Energieoptimierung mit dem neuen multimax 6
Mit multimax 6.0 kommt ein neues, intelligentes Gateway (IGW) zum Einsatz.

Was das für bestehende Anlagen bedeutet

Ihr nächster Schritt: erst messen, dann investieren

Bevor über Technik gesprochen wird, lohnt ein Blick in die Daten. Eine kostenfreie und detaillierte Lastganganalyse zeigt, wann Ihre teuersten Viertelstunden entstehen. Auf Wunsch erstellen wir diese Analyse kostenfrei für Sie; häufig liegen die größten Einsparungen an anderer Stelle als vermutet. Technische Details zum bestehenden System finden Sie in der Broschüre zur Energieoptimierung.

Betreiben Sie bereits einen multimax der Generation 5, führen zwei Wege zu den neuen Funktionen. Entweder Sie tauschen es gegen ein neues aus und profitieren direkt von allen neuen Funktionen. Alternativ ist auch ein Firmware-Update Ihres bestehenden Geräts in Schwabach möglich. Welcher Weg wirtschaftlicher ist, hängt von Alter, Ausbaustand und Ihren Planungen ab. Sprechen Sie früh mit Ihrem Vertriebsansprechpartner, dann lässt sich der Wechsel in eine ohnehin anstehende Wartung legen.

Die neue multimax-Generation kommt in Kürze. Wenn Sie stets auf dem Laufenden bleiben möchten, abonnieren Sie den KBR-Fachbericht oder folgen Sie uns auf LinkedIn. Und falls bei Ihnen gerade Ladepunkte, Stapler oder ein Speicher geplant werden: Jetzt lässt sich Steuerbarkeit noch ohne Mehrkosten mitplanen. Wenden Sie sich an Ihren KBR-Ansprechpartner oder schreiben Sie an info@kbr.de. Seit über 40 Jahren begleiten wir Unternehmen dabei, ihre Energieflüsse sichtbar und steuerbar zu machen. Die Anlagen ändern sich, die Rechenlogik dahinter bleibt: Wer weiß, wann seine teuerste Viertelstunde entsteht, kann sie verhindern.

Wir freuen uns darauf, Sie auf Ihrem Weg zu maximaler Energieeffizienz und nachhaltigen Kosteneinsparungen zu begleiten!

Jonas Klaus | Technischer Redakteur

Ihr Jonas Klaus

Technischer Redakteur
KBR GmbH